Im Interview | Dr. René Michels der Cubert GmbH

Dr. René Michels (35) Geschäftsführer der Cubert GmbH. Studium der Lasertechnik, Diplom an der Harvard Medical School in Boston über Kurzpulsspektroskopie. Im Anschluss Doktorarbeit an der Universität Ulm über den Struktureinfluss der Materie auf spektroskopische Messmethoden. Nach zwei Jahren Arbeit in einem Entwicklerteam für neuartige Messmethoden am Ilm, Ausgründung mit der Cubert GmbH.

  • Was macht die Cubert GmbH und welche Aufgaben nehmen Sie wahr?

    Die Cubert GmbH produziert und entwickelt bildgebende Spektrometer. Die Geräte sind in ihren Eigenschaften sehr einzigartig und sprechen Universitäten und Forschungsein- richtungen an. Ich bin einer der beiden Geschäftsführer in dem Unternehmen und kümmere mich maßgeblich um die Geschäftsentwicklung. Meinen Partner Rainer Graser unterstütze ich nebenbei bei der Produktentwicklung.

  • Ist es Ihre erste Gründung und was war der Auslöser für den Schritt in die Selbstständigkeit?

    Es ist meine erste Gründung. Den Wunsch zur Firmengründung besitze ich schon seit meiner Jugend. In den letzten Jahren habe ich viele Geschäftsideen geprüft und verworfen. Die Ideen reichten von einer Autowaschanlage bis zu dem Entwurf einer Online-Kontaktplattform für Studenten. Die Technik, welche wir in den letzten Jahren am Institut für Lasertechnik entwickelt haben war jedoch derart geeignet für eine Hi-Tech Ausgründung, dass uns im Endeffekt keine Wahl mehr blieb.

  • Warum haben Sie Ulm als Standort gewählt?

    Der Standort Ulm ist für uns Ideal. Als mittelgroße Stadt ist eine gute Infrastruktur vorhanden und die Wege sind kurz. Die Universitäten und die Hochschulen der Stadt bieten uns eine große Anzahl von qualifizierten Fachkräften. Für eine junge Firma mit Wachstumsambitionen ist dies wahrscheinlich der wichtigste Standortfaktor. 

  • Was sind die langfristigen Visionen von Cubert und wo sind Ihre nächsten Meilensteine?

    Die langfristige Vision der Cubert-GmbH ist die Einführung unserer Messtechnik in die landwirtschaftliche Produktion. Damit wollen wir einen Beitrag zur Steigerung des Ertrages und der Qualität von landwirtschaftlichen Produkten leisten. Bedarfsgerechte Düngung und bedarfsgerechte Ausbringung von Pflanzenschutz wie es unsere Technik ermöglicht trägt zudem maßgeblich zum Umwelt- schutz bei.

  • Wie wichtig ist für einen jungen Gründer der Austausch mit der lokalen Gründerszene und wie sind hier Ihre Erfahrungen?

    Der Austausch mit anderen Gründern ist sehr inspirierend. Es gibt in der Region einige Veranstaltungen, die einen Austausch ermöglichen und an denen wir immer gerne Teilnehmen.

  • Wie haben Sie in den frühen Phasen der Gründung die Unterstützung von den Netzwerken und Institutionen vor Ort empfunden?

    Der Gründerverbund in Ulm und insbesondere Herr Martin Schulz an der Universität Ulm haben uns in der Startphase bestens betreut. Gerade die Gespräche vor der Gründung sind unverzichtbar gewesen und haben uns maßgeblich beeinflusst.

  • Wo müsste Ihrer Meinung nach die Politik ansetzen, um junge Gründer besser zu unterstützen und in ihrer Entscheidung zur Selbstständigkeit zu bestärken?

    Wir haben es so erlebt, dass es gute Unterstützung gibt. Für Ausgründungen aus der Wissenschaft gibt es ja entsprechende Förderprogramme, die einem den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglichen. Sicher wäre es schön wenn für Programme wie die Jungen Innovatoren mehr Geld zur Verfügung stehen würde und noch mehr Ideen gefördert würden.

    Nach den Erfahrungen aus meiner Studienzeit in den USA muss ich aber sagen, dass wir in Deutschland noch riesen Nachhol- bedarf haben insbesondere was die Gründungsmentalität betrifft. Gründungen erfolgen hierzulande nur bei sehr hohen Erfolgs- aussichten und Risiken werden gemieden, sowohl von den Gründern als auch den Investoren. Ein mögliches Scheitern wird in Deutschland sehr kritisch gesehen. Es ist hierzulande ein Makel im Lebenslauf. Die Amerikaner sehen das viel lockerer. Auf die Frage ob er einem Jungunternehmer der bereits ein erfolglose Gründung hinter sich hatte erneut vertrauen würde, sagte ein US-Investor mal zu mir sinngemäß „Ja klar, der hat ja schließlich auf die Kosten eines anderen gelernt“.

  • Wie war der finanzielle Werdegang von Cubert bzw. welche Arten von Finanzierungen haben Sie in Anspruch genommen?

    Wir hatten eine Zusage vom Programm Exist als auch den Jungen Innovatoren. Leider mussten wir uns für eines der Programme entscheiden und haben jenes mit der längeren Laufzeit genommen. Aktuell laufen die Geschäfte sehr ordentlich und wir wägen das weitere Vorgehen ab.

  • Planen Sie eine Expansion ins Ausland?

    Unsere Produkte verkaufen wir bereits international. Zweigstellen für die Produktion oder Entwicklung sind allerdings nicht geplant.

  • Was war für Sie die größte Herausforderung beim Gründen?

    Mit Sicherheit ist die größte Herausforderung bei jeder Gründung der Punkt an dem man den Entschluss fasst den ersten Schritt ins Ungewisse zu wagen. Es ist unmöglich alle Risiken und Anforderungen vorab genau zu durchdenken und so muss man sich ab einem gewissen Zeitpunkt einfach auf sein Können verlassen und die Herausforderungen nehmen wie sie kommen. Der Rest ist tatsächlich nur Arbeit, Timing und Glück.

    Dabei zu sein wenn eine Vision, welche Anfangs nur in der eigenen Vorstellung existiert tatsächlich Realität wird ist allerdings ein unbeschreibliches Gefühl. Der Moment wiegt alle vorangegangen Schwierigkeiten auf.

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Dr. Michels René

Tel.: +49-73-11 42 99 97


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Helmholtzstr. 12

89081 Ulm

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