Was Gründer von Profisportlern lernen können

11. Juli 2018

am vergangenen Freitag fand in Konstanz die 15. Ausgabe des mittlerweile etablierten Netzwerk-Events für Startups, die Startup-Lounge Bodensee, statt.

Nur nicht unterkriegen lassen

Die Sportszene ist im Umbruch. Eine gute Chance für Gründer mit innovativen Ideen. Doch eine Vision alleine ist für den Durchbruch nicht genug. Was Gründer von Sportlern lernen können und wie Profis sich motivieren, wenn es mal nicht läuft, diskutierten der Rennfahrer Mike Rockenfeller (Münsterlingen), Fit-Team-Gründer Henning Fründt (Radolfzell) und der ehemalige Profi-Fußballer und Sportmanager Martin Kowalewski (Liechtenstein) am Freitagabend bei der Startup-Lounge in Konstanz.

 

Mike Rockenfellers Erfolgsrezept klingt so einfach wie überzeugend: Man braucht einen Traum oder eine Idee, Talent, Ehrgeiz, Glück und ein gutes Team. Und wenn nicht alle an einem Strang ziehen, ist das Rennen schon verloren. „Wahrscheinlich ist das beim Gründen auch so.“

Schon als Kind wollte der 34-Jährige wie Michael Schuhmacher werden. Zur Vision kam die Zielstrebigkeit. „Ich haben immer versucht, perfekt zu sein.“ Und dann war da noch ein bisschen Glück. Entdeckt wurde er auch, weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und dann die richtigen Leute um sich herum hatte.

„Alleine kann man nicht gewinnen. Das Team entscheidet über den Erfolg“, sagt auch Henning Fründt. Außerdem müssen Partner oder die Familie hinter einem stehen. Der Radolfzeller Fitness-Experte trainierte als Jugendlicher mit dem Radprofi André Greipel im Deutschland-Kader und war zweimaliger Vizemeister im Duathlon.

Schon während seiner aktiven Karriere als Leistungssportler ließ Fründt sich zum Fitness-Manager ausbilden und stellte so die Weichen für die Karriere nach dem Sport. Heute ist er Geschäftsführer der Fit Team Group GmbH. Die Firma aus Radolfzell am Bodensee baut Personal-Trainer-Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Fründt ist überzeugt: Die entscheidenden Fähigkeiten zum erfolgreichen Gründer hat er im Leistungssport als Jugendlicher und Profisportler erworben. Vor allem die Bereitschaft sich zu quälen, aber auch die Fähigkeit, seine eigenen körperlichen und mentalen Kräfte einzuteilen habe er sich damals angeeignet. Das ist wichtig. Schließlich ist die Gründungsphase kein Sprint, sondern geht oft über eine lange Distanz.

Rückschläge sind da vorprogrammiert. Davon kann auch Mike Rockenfeller ein Lied singen.

Sich nach Rückschlägen wieder motivieren, das musste der DTM-Fahrer selbst erst mühsam lernen. Nach seinem Wechsel aus dem behüteten Porsche-Rennstall zu Audi ging es für ihn erstmal bergab. Als er sein Auto in Le Mans gegen eine Mauer gesetzt hatte, wollte er sich erstmal verkriechen und keinem in die Augen schauen. „Ich dachte schon, ich höre auf.“

„Man muss wieder aufstehen, aber in dem Moment ist das echt schwer“, lautet Rockenfellers Tipp, wenn die Motivation ganz unten ist. In solchen Phasen sei es wichtig, die richtigen Leute um sich herum zu haben. „Man muss an sich glauben und braucht ein gutes Umfeld.“ Leute, die einem sagen, dass man erst einen Schritt nach dem anderen machen soll. Auch heute ist Rockenfeller manchmal frustriert ob der aktuell eher schwierigen Saison und versucht, sich an Teilerfolgen zu orientieren: „Ich versuche wenigstens der Beste bei Audi zu sein.“

Auch Fründt war schon mal ganz unten. Als er mit 15 drei Wochen lang mit einem Sturz im Krankenhaus lag und keiner aus dem Team ihn besuchte. „Da ruft dann keiner an und sagt, du bist raus. Das ist dann einfach so.“ Seinen Traum vom Profisportler hatte er schon aufgegeben. „Aber irgendwie wusste ich, dass ich gewinnen kann.“ Nicht als Radprofi, aber vielleicht in einer anderen Sportart. Fründt versuchte es nochmal und wurde zweimaliger Deutscher Vizemeister im Duathlon und siebenmaliger Ironman-Finisher mit einer Bestzeit von 9:19h. Merke: Nur nicht aufgeben. Wenn es nicht links herum geht, dann klappt es vielleicht rechts herum. Auch beim Gründen muss man mitunter hartnäckig sein, bis sich der Erfolg einstellt.

Motivationsprobleme gibt es bei jedem Menschen und bei jeder Sportart, betont der ehemalige Bundesliga Fußballer und Sportmanager Martin Kowalewski. Dann helfe nur ein offenes Gespräch mit einer Vertrauensperson, die einem ein gesundes Feedback gibt. Hilfreich sei auch ein guter Mentor oder Coach.

Ob im Sport oder beim Startup - Geld alleine ist als Motivation nie genug. Für Rennfahrer Rockenfeller war ohnehin die Anfangszeit, als er noch fast nichts verdient hatte, am coolsten. „Das war noch völlig unbeschwert.“

Wer auf lange Sicht als Gewinner hervorgehen will, braucht neben Talent echte Begeisterung. Da sind sich alle einig. Und wer die für eine innovative Gründungsidee aufbringt, hat im Sportgeschäft echte Chancen, glaubt Kowalewski. Der ehemalige Darmstadt98-Spieler berät heute selbst als Mentor junge Gründer. Sport-Acceleratoren gebe es mittlerweile einige, unter anderem den der Enkel des Adidas Gründers Adi Dassler. Aber auch Vereine wie Bayern München, Eintracht Frankfurt oder Barcelona unterstützen Startups.

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