Süddeutschland bei Innovationskraft führend

08. August 2017

Die Innovationslandschaft im Süden Deutschlands gehört laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zur Weltspitze

Wenige Wirtschaftsräume in Bayern und Baden-Württemberg dominieren die deutsche

Innovationslandschaft und halten international mit. In den meisten Regionen

wird jedoch viel zu wenig in Forschung investiert, zeigt eine Studie des Instituts der

deutschen Wirtschaft Köln (IW). Doch die Politik kann gezielt gegensteuern.

Die Innovationskraft ist in Deutschland extrem ungleich verteilt. Wirtschaftsräume aus

den südlichen Ländern sind Ideenschmieden auf Weltniveau: Nirgends fließt hierzulande

so viel Geld in Forschung und Entwicklung – und das zahlt sich aus. So liegt der Raum

rund um Stuttgart mit 577 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten deutschlandweit an der Spitze. In der Region um Ingolstadt waren es 486,

im Bundesschnitt 125. „Würde ganz Deutschland wie Baden-Württemberg und Bayern

forschen, läge es im internationalen Vergleich auf Platz eins“, analysiert IW-Wissenschaftler

Oliver Koppel. Doch die anderen Bundesländer fallen stark ab und ziehen Deutschland

nach unten. Insgesamt verpassen drei Viertel aller hiesigen Wirtschaftsräume das EU-Ziel,

zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in unternehmerische Forschung zu investieren.

Es zeigt sich: von der Metall- und Elektroindustrie geprägte Regionen treiben die Innovation

voran. Nur den Wirtschaftsräumen um Wolfsburg und Jena gelingt es, die Dominanz

des Südens zu durchbrechen. In beiden Regionen fließt gemessen an der Wirtschaftsleistung

überdurchschnittlich viel Geld in die Forschung – mit entsprechenden Patenterfolgen.

Gleichzeitig existiert ein starkes Innovationsgefälle zwischen Stadt und Land.

International erfolgreiche Spitzencluster nach dem Vorbild des Silicon Valley existieren

auch in Deutschland, jedoch können ländliche Gebiete nicht mit den innovativen Großstädten

mithalten.

„Die Politik muss mehr dafür tun, dass bislang abgehängte Innovationsregionen wieder

aufschließen, ohne die Top-Regionen zu schwächen“, sagt Koppel. Hierfür sollten forschende

Unternehmen steuerlich gefördert werden. Zudem müsse das Breitbandinternet

auf dem Land ausgebaut werden, um technologieorientierte Unternehmensgründungen

zu erleichtern. Ziel müsse es sein, eine gleichmäßiger über das Land verteilte Innovationskraft

zu erreichen und Deutschland damit insgesamt zu stärken.

Sarah Berger/Hanno Kempermann/Oliver Koppel/Anja Katrin Orth/Enno Röben: Innovationsatlas

2017. Die Innovationskraft deutscher Wirtschaftsräume im Vergleich; IW-Analyse

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